Tanz, Performance

LUCKY TRIMMER #30

BERLIN EDITION

LUCKY TRIMMER #30
© Ralf Mohr

LUCKY TRIMMER #30 – On the Move! Nach einem erfolgreichen Auftakt in Frankfurt kommt LUCKY TRIMMER endlich auch wieder zurück nach Berlin. Bekannt für kurze, energiegeladene Tanzperformances und für Programme, die Konventionen gerne auf den Kopf stellen, bringt LUCKY TRIMMER eine Auswahl internationaler Künstler*innen auf die Bühne. Das Festival präsentiert kompakte Stücke voller Ideen, Risiko und Überraschung. Die 30. Ausgabe findet am Gallus Theater in Frankfurt sowie im DOCK 11 / DOCK ART in Berlin statt und verbindet damit zwei Städte, die für ihre lebendige zeitgenössische Tanzszene bekannt sind.

Die Plattform für ungewöhnliche Ideen und mutige Experimente im zeitgenössischen Tanz präsentiert seit 2004 sowohl aufstrebende als auch etablierte Künstler*innen mit ihren Arbeiten.
Die zeitliche Begrenzung jeder Performance auf maximal zehn Minuten fordert die Künstler*innen heraus, ihre Ideen auf den Punkt zu bringen – konzentriert, direkt und mit großer Wirkung. Dabei trifft Avantgarde auf Popkultur, Bewegung verbindet sich mit Theater, Zirkus, Musik und Installationskunst. Das Ergebnis ist eine kuratierte Mischung aus sehr unterschiedlichen künstlerischen Handschriften.

LUCKY TRIMMER wurde 2004 in Berlin gegründet und entwickelte sich in der lebendigen freien Tanzszene der Stadt, geprägt von experimenteller Energie, künstlerischer Offenheit und dem Mut, bestehende Regeln immer wieder zu hinterfragen. Nach einigen Jahren Pause kehrt das Festival nun zurück ins DOCK 11. Diese Rückkehr fühlt sich weniger wie ein Comeback an, sondern eher wie eine Heimkehr: zurück an den Ort, an dem die Idee von LUCKY TRIMMER entstanden ist.

Die Jubiläumsausgabe unter der künstlerischen Leitung des Choreografen Raffaele Ir versammelt eine Reihe mutiger Künstler*innen aus aller Welt, die mit ihren Arbeiten Grenzen verschieben und jeweils ihre ganz eigene Perspektive auf Bewegung, Erzählung und Performance einbringen.

Mit: Claudio Scalia, Ismaele Buonvenga & Marco Di Dato (IT), Lior Lazarof, Omer Tichauer & Romi Faigler (IL), Zach Enquist,Rachel McNamee and Riley O’Flynn (SWE), Felix Chang DE), Miila Kaarina(NL), Caterina Mochi Sismondi, Elisa Mutto & Michelangelo Merlati (IT)

Dauer: 60 min

LUCKY TRIMMER Team: Raffaele Irace, Valeria Palma, Davide Degano, Amy Stafford, Lars Aulerich, Carla Wolff, Maciej Rusinek.

Eine Produktion von FREIGETANZT e.V. in Zusammenarbeit mit DOCK ART Berlin und GALLUS THEATER Frankfurt

Programm:

SOMEBODY’S WATCHING ME
MIILA KAARINA (NL)

Eine performative Verhandlung, ein ständiges Ziehen und Nachgeben zwischen dem Wunsch nach Kontrolle und einem Körper, der sich gleichzeitig nach Loslassen sehnt. Auf einer Bühne, übersät mit roten Eimern – Gefäße für Angst, Zuflucht und Chaos – nimmt Scham eine körperliche Form an. Jeder Eimer enthält Fragmente von Kampf und Schutz und markiert einen sorgfältig konstruierten, zugleich jedoch fragilen Weg auf der Suche nach Ordnung. Der Tanz entfaltet sich als Untersuchung von Kontrolle und Hingabe, in der Verletzlichkeit ihren eigenen Rhythmus findet. Die Grenzen beginnen zu verschwimmen: Der Versuch loszulassen wird zugleich zum Versuch, wirklich zu sein. Was halten wir fest? Was hält uns fest? Und wenn wir schließlich loslassen – was bleibt?

Choreografie, Performance: Miila Kaarina

LOVE-LOVE
LIOR LAVAROF (IL)

Eine Tanztheaterarbeit, die sich von den Welten des Tennis und des Krieges inspirieren lässt. Ausgangspunkt ist das paradoxe Tennisterminum „love“, das sowohl null Punkte als auch Hingabe bedeuten kann. Diese doppelte Bedeutung bildet die Grundlage für eine choreografische Sprache, die auf Wiederholung, Ausdauer und der Spannung zwischen Kontrolle und Hingabe basiert. Der Bühnenraum verwandelt sich in einen hybriden Ort – zugleich Tennisplatz und Schlachtfeld. Zwei Tänzer*innen bewegen sich zwischen Rivalität und Partnerschaft, zwischen Wettbewerb und Fürsorge.
Die Arbeit untersucht, wie Gesten des Sports an Gesten des Überlebens erinnern und wie der Wunsch zu gewinnen mit dem Bedürfnis nach Verbindung kollidiert. Durch physische Intensität und subtile spielerische Momente wird das fragile Gleichgewicht zwischen Entscheidung und Notwendigkeit, Spiel und Kampf sichtbar.
„LOVE-LOVE“ stellt schließlich die Frage, was bleibt, wenn ein Sieg unmöglich wird – und ob Liebe in einem Raum bestehen kann, der von der Logik der Null bestimmt ist.

Choreografie: Lior Lazarof
Performance: Omer Tichauer, Romi Faigler
Kostüme: Maayan Sheris
Musik: Elad Cohen Bonen

ALL HONESTY ASIDE
ZACH ENQUIST (SWE)

Diese Arbeit ist eine Neuerzählung jenes Streits, den man mit dem eigenen Partner schon tausendmal geführt hat – doch man weiß nicht, ob es wirklich der Streit ist, den man führen muss, oder nur derjenige, den man kennt, der einem vertraut ist. Mit einer unverwechselbaren physischen Bewegungssprache und pointiertem, scharfem Witz untersucht die Arbeit die Feinheiten der Kommunikation und die stille Kraft dessen, was unausgesprochen bleibt. Gefördert durch den Mary von Sydow Stiftungsfonds. Ausgezeichnet mit dem Tanja Liedtke Fellowship Award beim 39. Internationalen Wettbewerb für Choreografie Hannover (Juni 2025).

Choreografie: Zach Enquist
Performance: Zach Enquist, Riley O’Flynn

Wú | Yī (無|壹)
FELIX CHANG (GER)

Die Tanzperformance greift das von Konstantin Stanislavski geprägte Konzept der public solitude auf und verbindet es mit räumlichen Vorstellungen aus der taoistischen Philosophie. Im Zentrum der Performance steht die Geschichte des sogenannten White Terror in Taiwan – einer Periode
politischer Verfolgung zwischen dem 27. Februar 1947 und dem 15. Juli 1987. Die Arbeit bezieht sich auf das Schicksal von Shih Ru-Chen, der während dieser Zeit von der Regierung verfolgt wurde, nachdem ihm aufgrund seiner Lektüre marxistischer Literatur Spionage vorgeworfen worden war. Um der Verhaftung zu entgehen, lebte er fast achtzehn Jahre lang versteckt in den engen Zwischenräumen seines eigenen Hauses. Trotz dieser Isolation hielt er an der Überzeugung fest, dass Ideen der eigentliche Ausdruck seiner Freiheit seien.

Choreografie, Performance: Felix Chang

LIF
CLAUDIO SCALIA (IT)

Das Universum beugt sich unter der Last von Ragnarök: Drei lange Winter legen die Welt in Eis, gefolgt von drei verheerenden Schlachten, die alles in Asche verwandeln. Aus den Ruinen erwachen Líf und Lífthrasir aus ihrem Versteck zwischen den Wurzeln von Yggdrasil, dem kosmischen Baum, der den Funken des Lebens über die Zerstörung hinaus bewahrt hat. Ihre Reise, geprägt von Angst und Ungewissheit, führt sie in eine Zukunft, die erst noch aufgebaut werden muss. Die beiden Figuren werden zu Symbolen von Kontinuität und Hoffnung. Im Zentrum eines zerbrochenen Universums zeigen sie, dass selbst in Momenten größter Zerstörung neues Leben entstehen kann. Líf feiert die Widerstandskraft des Lebens und erinnert daran, dass nach jedem Ende Raum für einen neuen Anfang bleibt – Schritt für Schritt neu aufgebaut.

Choreografie: Claudio Scalia
Performance: Ismaele Buonvenga, Marco Di Dato
Musik Danheim, Asaf Avidan
Technik: Sammy Torrisi
Dramaturgie: Claudio Scalia, in Zusammenarbeit mit Sergio Campisi

COPPÉLIA PROJECT
CATERINA MOCHI SISMONDI (IT)

Eine mechanische Puppe, eine Illusion, ein gebrochener Körper – aus der Balance geraten, wie eine Marionette aufgehängt. Dieses Solo richtet den Blick auf das Thema Identität und auf die Masken, die wir im Alltag tragen. Inspiriert vom Ballett „Coppélia – La Fille aux Yeux d’Émail“ (1870), ursprünglich choreografiert von Arthur Saint-Léon zur Musik von Léo Delibes, verbindet die Tänzerin und Akrobatin Elisa Tutto klassische Tanzbewegungen mit Kontorsion, der Kunst des extremen Biegens, sowie der Zirkustechnik Hair Hanging. Bei dieser besonderen Technik erhebt sich die Performerin allein mithilfe ihrer Haare vom Boden in die Höhe – ermöglicht durch die Arbeit des Riggers und Künstlers Michelangelo Merlati. Die Musik stammt von Bea Zanin, die Motive aus Delibes’ Ballett aufgreift und sie mit elektronischen Klängen und Live-Kompositionen verbindet.

Choreografie: Caterina Mochi Sismondi
Musik: Bea Zanin
Performance: Elisa Mutto
Rigger: Michelangelo Merlati