„Ohne Kultur und die relative Freiheit, die sie impliziert, ist die Gesellschaft, selbst wenn sie vollkommen wäre, nichts als ein Dschungel. Deshalb ist jede authentische Schöpfung ein Geschenk an die Zukunft.“ (Albert Camus)
Partnerorganisationen:
DOCK ART Berlin / Deutschland
DOCK11 EDEN***** Berlin / Deutschland
Derida Dance Center, Sofia / Bulgarien
La Mama, New York / USA
Ein Projekt der DOCK 11 GmbH in Zusammenarbeit mit DOCK ART
Gefördert von Trust for Mutual Understanding (TMU), Summa Artium und DOCK ART.
Künstler: Ivan Estegneev
Im Rahmen dieses internationalen Residenzprogramms verfolgen wir das Ziel, künstlerische Exzellenz über nationale und kulturelle Grenzen hinweg zu fördern. Es geht darum, Menschen durch unmittelbare, geteilte Live-Erfahrungen einander näherzubringen. Wir möchten Verbindungen zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Altersgruppen und Überzeugungen schaffen, kritisches Denken anregen und sichere, zugleich mutige Diskussionsräume ermöglichen.
Der Künstler Ivan Estegneev wurde eingeladen, ein neues Tanzstueck zu entwickeln und dieses bei DOCK 11 / DOCK ART in Berlin, im Derida Dance Center in Sofia sowie bei La MaMa in New York zu präsentieren.
Das Projekt wird von mehreren Vermittlungs Programmen begleitet.
Zeitplan:
Januar – Juli 2026 Entstehungszeitraum des Stückes
24. Juni 2026 Lecture Demonstration im DOCK 11 Saal 4
18. Juli 2026 Vorpremiere im Derida Dance Center in Sofia, Bulgarien
03., 04., 05., 06. Dezember 2026 Premiere im DOCK 11 / DOCK ART Theater, Berlin
Dramaturgie & Entwicklung: Katherina Vasiliadis
Kuratorisches Team: Katherina Vasiliadis, Wibke Janssen, Atanas Maev, Mia Yoo
Projektbeschreibung:
The Shape of a Man (Arbeitstitel)
Dieses Stueck untersucht den Raum und die Figur eines Mannes, der zwischen Warten und Handeln schwebt. Er erscheint als Archetyp, geprägt durch den sowjetischen Körper – „made in USSR“ – diszipliniert, kollektiv geformt und von Intimität entleert. Im Verlauf der Performance öffnet sich dieser Körper allmählich einer authentischeren Identität und legt unter der harten Oberfläche sozialer Normen individuelle Wünsche, Sinnlichkeit, Zärtlichkeit und Verletzlichkeit frei.
Statt den Tanz selbst in den Mittelpunkt zu stellen, erforscht die Arbeit einen Zustand permanenter Vorbereitung. Es scheint stets, als stünde etwas kurz bevor – eine Probe, ein Treffen, eine Aufführung –, doch der erwartete Moment wird fortwährend verschoben, gedehnt und aufgelöst. Der Körper in der Erwartung wird zu einem Archiv gelebter Erfahrung und zu einer Form des Widerstands gegen lineare Zeit. Begegnungen werden endlos aufgeschoben: Eine Berührung wird zur Geste, eine Geste zum Blick, ein Blick zur Pause. In dieser Welt wird der permanente Zustand des „Beinahe“ zum eigentlichen Ereignis.
Umarmungen und Berührungen erscheinen nur als flüchtige Momente der Intimität – fragile Versuche, die Distanz zwischen zwei verletzten Individuen zu überbrücken und die Natur des männlichen Selbst zu verstehen. Durch eine komplexe, rohe und kompromisslose physische Sprache wird der Körper zum Schlachtfeld, auf dem Macht und Abhängigkeit, Gewalt und Zärtlichkeit, Angst und Sehnsucht unaufhörlich aufeinandertreffen. Alte Wunden treten durch die Bewegung immer wieder hervor und verfangen die beiden Männer in scheinbar ausweglosen Zyklen.
Zwischen persönlichem Zeugnis und der emotionalen Intensität der antiken griechischen Tragödie angesiedelt, untersucht das Stueck die Mechanismen, durch die Männlichkeit konstruiert wird, sowie die Kosten ihrer fortwährenden Reproduktion. Die beiden Protagonisten sind in überlieferten Vorstellungen von Männlichkeit gefangen – Strukturen, die auf der Unterdrückung von Zärtlichkeit, der Ablehnung von Verletzlichkeit und der Verdrängung alles vermeintlich Weiblichen beruhen.
Während sich ihre Körper durch Erschöpfung, Transformation und Veränderung bewegen, wächst die Dringlichkeit dieses Konflikts stetig. Die Performance stellt die Frage, ob es möglich ist, diese übernommenen Rollen und Erwartungen zu überwinden und neue Formen von Intimität und Selbstverständnis zu denken. Sie gibt keine endgültige Antwort und lässt die Frage bis zum Schluss offen.
Der Künstler bezieht sich auf die Philosophie von Deborah Hay:
„Was wäre, wenn jeder Moment ein Tanz ist?“
Kreation & Performance: Ivan Estegneev und Evgeny Kulagin
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Biographien:
Ivan Estegneev
Evgeny Kulagin
Das Derida Dance Center ist das erste Zentrum für zeitgenössischen Tanz und Ausbildung in Bulgarien. Es wurde 2010 gegründet und wird von der Art Link Foundation betrieben. Das Zentrum verfügt über ein breites Spektrum an Aktivitäten, die den Zielen der Organisation entsprechen, nämlich als Instrument zur Beschleunigung der Entwicklung der zeitgenössischen Tanzkunst im Land zu dienen, indem es bestehende und aufstrebende Talente in diesem Bereich unterstützt. Die Hauptbereiche, in denen das Zentrum tätig ist, sind unabhängige Tanzproduktionen, Ausbildungs- und Coaching-Programme für zeitgenössischen Tanz, internationale Partnerschaften, Residenzprogramme, Präsentationen und kuratorische Aktivitäten.
LaMama (Experimental Theatre Club) ist ein legendäres, multikulturelles Theater in New York City, das 1961 von Ellen Stewart gegründet wurde und unterrepräsentierten Avantgarde-Künstlern einen Zufluchtsort bietet, um grenzüberschreitende Werke zu schaffen. Es ist bekannt dafür, globale Talente zu fördern und Pionierarbeit im Off-Off-Broadway-Theater zu leisten, mit dem Ziel, vielfältige, unzensierte künstlerische Freiheit zu ermöglichen. Es ist eine wichtige kulturelle Institution, die sich für neue Darbietungen einsetzt, künstlerische Grenzen verschiebt und als globaler Knotenpunkt für vielfältige Stimmen in Theater, Tanz und Kunst dient.
DOCK 11 EDEN ist eine renommierte Einrichtung für zeitgenössischen Tanz an zwei Standorten in Berlin. Der Ort DOCK 11 wurde kurz nach der deutschen Wiedervereinigung in einem ehemaligen Fabriksgebäude in der Kastanienallee gegründet und hat sich zu einem lebendigen Zentrum für künstlerisches Schaffen, Bildung und Aufführungen entwickelt. Heute beherbergt es eine Tanzschule, mehrere Tanzstudios, ein digitales Labor, ein Café, Büros und einen Theaterraum mit einem regelmäßigen Programm. Im Jahr 2009 wurde das Angebot um den Ort EDEN Studios in Pankow erweitert, ein Ensemble aus mehreren hochwertigen Studiogebäuden und zwei Villen auf einem parkähnlichen Gelände, das zusätzliche Proben-, Aufführungs- und Mehrzweckräume sowie Residenzzimmer bietet.
Die DOCK 11 / DOCK ART Theaterhalle in der Kastanienallee in Berlin existiert als permanente Spielstätte seit 1998 und zeigt ein wöchentlich wechselndes Programm. Schwerpunkt ist Tanz, aber auch Performances, Konzerte und Lesungen werden programmiert. Das Programm strebt Diversität und ästhetische Pluralität an, es ist generationsübergreifend und engagiert sich für Projekte der kulturellen Bildung und für Community Projekte. DOCK ART erhält seit 2020 die Konzeptförderung der Berliner Kulturverwaltung; spielt mehr als 200 Vorstellungen pro Jahr und erreicht damit ca. 13.000 Zuschauer*innen. Wichtige Festivals im DOCK ART sind das internationale Tanzfilmfestival POOL, das im Oktober 2024 bereits zum 18. Mal stattfand; MASH Dance Berlin, ein gemeinsames Festival mit dem Machol Schalem Dance House in Jerusalem; das Festival für zeitgenössischen Tanz und Performance Art b12; soundance, das internationale Festival für zeitgenössischen Tanz und Musik sowie PLATAFORMA, die dekoloniale und intersektionale BIPoC/Latinx Plattform für Tanz, Dokumentation und Diskurs. Künstler*innen wie u.a. Christine Bonasea, Jenny Haack, Martha Hincapie Cherry, Tomi Paasonen, Peter Pleyer, Anna Nowicka, Hanna Schillinger, Niv Sheinfeld & Oren Laor, Nir De Volff und Johannes Wieland sind seit langem mit dem Haus verbunden.