Internationales Residenz Programm zur künstl. Weiterentwicklung und nachhaltigen gesellschaftl. Wirkung

„Ohne Kultur und die relative Freiheit, die sie impliziert, ist die Gesellschaft, selbst wenn sie vollkommen wäre, nichts als ein Dschungel. Deshalb ist jede authentische Schöpfung ein Geschenk an die Zukunft.“ (Albert Camus)

Partnerorganisationen:
DOCK ART Berlin / Deutschland
DOCK11 EDEN***** Berlin / Deutschland
Derida Dance Center, Sofia / Bulgarien
La Mama, New York / USA

Dieses Projekt wird unterstützt von Trust for Mutual Understanding, Summa Artium und DOCK ART.

Künstler: Ivan Estegneev

Mit diesem internationalen Residenzprogramm wollen wir künstlerische Exzellenz über Grenzen und Nationen hinweg fördern. Ziel ist es, Menschen durch gemeinsame Live-Erlebnisse näher zusammenzubringen. Wir möchten Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Altersgruppen und Weltanschauungen miteinander verbinden, kritisches Denken anregen und sichere, aber dennoch furchtlose Diskussionen ermöglichen.

Der Künstler Ivan Estegneev ist eingeladen, eine neue Tanzproduktion zu erschaffen und diese im Performance Space DOCK 11 / DOCK ART in Berlin sowie im Derida Dance Center in Sofia zu präsentieren. Ivan wird jeweils mit lokalen Tänzer*innen, sowie Nicht-Tänzer*innen aller Altersgruppen zusammenarbeiten und seine künstlerischen Fähigkeiten und Kenntnisse weitergeben.

Zeitplan:
Januar – Juli 2026 Entstehungszeitraum des Stückes
18. Juli 2026 Vorpremiere im Derida Dance Center in Sofia, Bulgarien

Dramaturgie & Entwicklung: Katherina Vasiliadis
Kuratorenteam: Wibke Janssen, Atanas Maev, Kirsten Seeligmüller, Katherina Vasiliadis, Mia Yoo

Projektbeschreibung:
"Made in USSR. Anticipating Dance”
Dieses Projekt handelt von Raum und einem Mann, der zwischen dem Moment des Wartens und dem Moment der Handlung oszilliert. Der Mann als Archetyp, geboren aus dem sowjetischen Körper – diszipliniert, kollektiv, ohne Intimität. Während des Stückes offenbart dieser Körper seine queere Identität und entdeckt unter der starren Oberfläche der Normativität individuelles Verlangen, Sinnlichkeit, Zärtlichkeit und Zerbrechlichkeit.
„Made in USSR. Anticipating Dance” untersucht eher den Zustand der Vorbereitung auf den Tanz als den Tanz selbst. Es ist, als stünde etwas immer kurz bevor – eine Probe, ein Treffen, eine Aufführung –, aber es verzögert sich, zieht sich in die Länge und löst sich auf.
Der Körper in Erwartung als Modus der Erinnerung, als Archiv der gelebten Erfahrung, als Widerstand gegen die lineare Zeit. Die Begegnung wird ständig verschoben: Eine Berührung wird zu einer Geste, eine Geste zu einem Blick, ein Blick zu einer Pause.
Dieses ständige „Fast“ ist der Höhepunkt.

Die Künstler beziehen sich auf Deborah Hays Philosophie: „Was wäre, wenn jeder Moment ein Tanz wäre?“

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Ivan Estegneev gründete 2022 zusammen mit seinem Partner Evgeny Kulagin die Dialogue Dance School and Company in Kostroma. Das Ensemble hat mehr als 30 Stücke geschaffen, von denen drei mit dem russischen Nationaltheaterpreis Golden Mask für die beste zeitgenössische Tanzperformance ausgezeichnet wurden. Ivan Estegneev und Evgeny Kulagin sind auch die Gründer und CEOs von STANTSIA, einem unabhängigen Veranstaltungsort für zeitgenössische Kunst. Sie haben Koproduktionen und Festivals für Tanz, Theater, Musik und zeitgenössische Kunst in Russland mit Künstlern aus aller Welt kuratiert und organisiert, darunter das Diversia Festival von 2007 bis 2022. Seit 2012 arbeitet Ivan als Hauschoreograf am Gogol Centre in Moskau, das von Kirill Serebrennikov gegründet wurde. Er schuf die Produktionen „Shakespeare“ (2017), „Two Rooms“ (2018) und „Barocco“ (2018) mit Evgeny Kulagin sowie mehrere Performances mit Kirill Serebrennikov, darunter Produktionen für das Hauptprogramm des Festivals von Avignon. Seit 2016 arbeitet er mit dem polnischen Regisseur Grzegorz Jarzyna (TR Warschau) an fünf verschiedenen Produktionen in Polen, Russland und China zusammen.

Ivan Estegneev unterrichtete von 2015 bis 2022 Bühnenbewegung und Filmtanz an der Schauspielfakultät der Moskauer Filmhochschule. Er ist Mitbegründer und Geschäftsführer des Physical-Theatre-Workshops DialogLab in Moskau. Von 2022 bis 2024 war er Kurator von Context, das von der weltberühmten Primaballerina Diana Vishneva finanziert wird. 2022 zog er nach Deutschland, wo er von 2022 bis 2025 als Choreograf am Thalia Theater tätig war und folgende Produktionen schuf: „Black Monk“ (in Koproduktion mit dem Festival d'Avignon), „Der Wiy“, „Die Fledermaus“, „Barocco“, „Behind the Closed Doors“, „Legende“ (in Koproduktion mit der Ruhrtriennale). Ivan unterrichtet an der Schule für Zeitgenössischen Tanz Hamburg (2023–2025), am K3 Kampnagel (2024) und an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (2023–2025). 2024 schuf er zusammen mit Evgeny Kulagin „Apocalypses Tomorrow“ für die K&F Company. 2024 schuf und uraufführte Ivan seine Solo-Performance „Demon's Sorrow“. 2025 inszenierte Ivan Estegneev „Heimat“ für das Musikquartett Salut Salon in Deutschland. Im Jahr 2025 arbeitete er als Choreograf und Künstler für die Opernproduktionen „The Listeners“ für das Aalto Musiktheater Essen, als Choreograf für „Don Giovanni / Requiem“ für die Komische Oper Berlin und „The Blizzards“ für das Düsseldorfer Schauspielhaus. Im Jahr 2025 startete er das DialogLab-Programm, einen Workshop für physisches Theater in Berlin und ganz Europa.

Das Derida Dance Center ist das erste Zentrum für zeitgenössischen Tanz und Ausbildung in Bulgarien. Es wurde 2010 gegründet und wird von der Art Link Foundation betrieben. Das Zentrum verfügt über ein breites Spektrum an Aktivitäten, die den Zielen der Organisation entsprechen, nämlich als Instrument zur Beschleunigung der Entwicklung der zeitgenössischen Tanzkunst im Land zu dienen, indem es bestehende und aufstrebende Talente in diesem Bereich unterstützt. Die Hauptbereiche, in denen das Zentrum tätig ist, sind unabhängige Tanzproduktionen, Ausbildungs- und Coaching-Programme für zeitgenössischen Tanz, internationale Partnerschaften, Residenzprogramme, Präsentationen und kuratorische Aktivitäten.

LaMama (Experimental Theatre Club) ist ein legendäres, multikulturelles Theater in New York City, das 1961 von Ellen Stewart gegründet wurde und unterrepräsentierten Avantgarde-Künstlern einen Zufluchtsort bietet, um grenzüberschreitende Werke zu schaffen. Es ist bekannt dafür, globale Talente zu fördern und Pionierarbeit im Off-Off-Broadway-Theater zu leisten, mit dem Ziel, vielfältige, unzensierte künstlerische Freiheit zu ermöglichen. Es ist eine wichtige kulturelle Institution, die sich für neue Darbietungen einsetzt, künstlerische Grenzen verschiebt und als globaler Knotenpunkt für vielfältige Stimmen in Theater, Tanz und Kunst dient.

DOCK 11 EDEN ist eine renommierte Einrichtung für zeitgenössischen Tanz an zwei Standorten in Berlin. Der Ort DOCK 11 wurde kurz nach der deutschen Wiedervereinigung in einem ehemaligen Fabriksgebäude in der Kastanienallee gegründet und hat sich zu einem lebendigen Zentrum für künstlerisches Schaffen, Bildung und Aufführungen entwickelt. Heute beherbergt es mehrere Tanzstudios, ein digitales Labor, ein Café, Büros und einen Theaterraum mit einem regelmäßigen Programm. Im Jahr 2009 wurde das Angebot um den Ort EDEN Studios in Pankow erweitert, ein Ensemble aus mehreren hochwertigen Studiogebäuden und zwei Villen auf einem parkähnlichen Gelände, das zusätzliche Proben-, Aufführungs- und Mehrzweckräume sowie Residenzzimmer bietet.

Die DOCK 11 / DOCK ART Theaterhalle in der Kastanienallee in Berlin existiert als permanente Spielstätten seit 1998 und zeigt ein wöchentlich wechselndes Programm. Schwerpunkt ist Tanz, aber auch Performances, Konzerte und Lesungen werden programmiert. Das Programm strebt Diversität und ästhetische Pluralität an, es ist generationsübergreifend und engagiert sich für Projekte der kulturellen Bildung und für Community Projekte. DOCK ART erhält seit 2020 die Konzeptförderung der Berliner Kulturverwaltung; spielt mehr als 200 Vorstellungen pro Jahr und erreicht damit ca. 13.000 Zuschauer*innen. Wichtige Festivals im DOCK ART sind das internationale Tanzfilmfestival POOL, das im Oktober 2024 bereits zum 18. Mal stattfand; MASH Dance Berlin, ein gemeinsames Festival mit dem Machol Schalem Dance House in Jerusalem; das Festival für zeitgenössischen Tanz und Performance Art b12; soundance, das internationale Festival für zeitgenössischen Tanz und Musik sowie PLATAFORMA, die dekoloniale und intersektionale BIPoC/Latinx Plattform für Tanz, Dokumentation und Diskurs. Künstler*innen wie u.a. Christine Bonasea, Jenny Haack, Martha Hincapie Cherry, Tomi Paasonen, Peter Pleyer, Anna Nowicka, Hanna Schillinger, Niv Sheinfeld & Oren Laor, Nir De Volff und Johannes Wieland sind seit langem mit dem Haus verbunden.