Das Stück ist die erste Zusammenarbeit zwischen Csaba Molnár und Márcio K. Canabarro. Es wurde 2016 in Ungarn mit dem Laban Preis für Choreographie als beste Performance der Spielzeit und 2018 in Dänemark mit dem Critic Award als beste Gastperformance der Spielzeit ausgezeichnet. Tropical Escape kreist thematisch um die Politik der Fantasie, die Arbeit des Vergnügens, um das Exotische als Fetisch und die Ökonomie des Obszönen: Eskapismus als eine Form des Widerstands.

 

Die Politik der Fantasie: Die Performer untersuchen das Bewusstsein für kulturelle Tropen und die Semiotik unserer Fantasie sowie die Möglichkeit durch Bewegung / Tanz eine politische Demonstration dieser Referenzen darzustellen z.B. erste Überlegungen zu masturbatorischen Fantasien, ihrem Kontext und ihren Implikationen; Untersuchung dessen, was als “gut” und “angenehm” empfunden wird; Biopolitik.

Der Arbeit des Vergnügens entsteht aus dem Handwerk des Paradies-Erschaffens – aus der Fähigkeit überschwängliche, lebendige Bilder zu erschaffen. Es ist eine physische Arbeit, die an der Stimulation von Vergnügen wirkt, z.B. sexueller Verkehr, Stoffwechsel, hormonelle Befreiung, Verführung, Rhythmus, Drag-Queens; oder auch die wechselseitige Dynamik zwischen hart arbeiten und ein guter Mensch sein.

Das Exotische als Fetisch dreht sich um die Sexualisierung des Exotischen, der Rasse, des tropischen “Verhaltens”, des Anderen. Die Anthropomorphisierung der Natur oder natürlicher Phänomene wie des Wetters in Äquivalenz zu Göttern, mythologischen Bildern und Lebenszyklen spielt eine Rolle, ebenso wie Geburt, Fruchtbarkeit, Reproduktion, Tod, Geschichtenerzählen, Reality-Shows, das Melodrama und das Erschaffen von Ikonen.

Die Ökonomie des Obszönen: Begierde wird zu Kapital – immaterielle, virtuelle Sinneserfahrungen zu wertvollen Gütern. Nicht öffentliches Material wird ausgetauscht; Pornographie, Prostitution, Promiskuität, Kabarett und andere Begebenheiten, die in einem privaten Kontext ohne Regulierung durch den Staat stattfinden. Die Kommerzialisierung und Konstruktion von Geschlecht und Gender sowie die Fiktion von der binären Sexualität stehen im Kontrast zu den sprechenden Körpern. Der Drogenmarkt, Utopien und verbotene “Bereiche” entwickeln sich.

Eskapismus als alternativer Widerstand: Aus dem Willen, die Normalität (weiß – heterosexuell – monogam – neoliberal und normativ) zu überstehen werden neue Erfahrungen generiert. Humor dient als Refugium und Mittel, um soziale und kulturelle Informationen zu verarbeiten und auf satirische Weise einen Dialog zu provozieren.

Von und mit: Csaba Molnár, Márcio K. Canabarro
Fotos: Tom O´Doherty
Dank an: Artus Stúdió, SÍN Kulturális Központ, Új Előadóművészeti Alapítvány, Cuhorka Emese, Garai Julia, Mervel Miklós and Fülöp László

X
X
X